Österreichs digitale Pleiten-, Pech- und Pannenshow – Folge 03

Der Großmeister der Ankündigungspolitik, unser lieber Basti, versprach uns einst:
"Wir werden ganz vorne mit dabei sein, bei der Digitalisierung."
Leider vergaß er, wie üblich, einen verbindlichen Termin zu nennen.
Wo "ganz vorne" ist, blieb auch undefiniert.
Zur Zeit spielen wir vielleicht in der Liga der Entwicklungsländer ganz vorne mit ;-)

Von einem, der auszog, um sich testen zu lassen beschreibt den aktuellen Lach-, besser Wein-Schlager des Bundes.

Jeder Pimperlverein, jeder der glaubt ein Forum betreiben zu müssen, viele Arztpraxen, Verleihfirmen, Hausverwaltungen …
finden im Kaufhaus Internet unzählige Angebote zur Verwaltung ihrer Mitglieder, ihrer Leih- oder Mietobjekte.
Die Belegung von Spielplätzen, online Buchungen mit e-mail- oder SMS-Bestätigung sind Standard. Die Kommunikation mit den Benutzern funktioniert klaglos, auch Zahlungsvorgänge werden problemlos abgewickelt.
Diese, in der digitalen Realwelt tausendfach erprobten, funktionierenden Lösungen bleiben aber den den Beamten des “Digitalisierungsministeriums” offenbar verborgen.
Warum? Man weiß es nicht!
Ist es Stolz und dessen Bruder Ignoranz, sind es die goldenen Beamtenregeln oder schlicht und einfach Bequemlichkeit und wenig Lust auf Arbeit?
Man weiß es nicht!

So werden Arbeiten – mit oder meist ohne Ausschreibung – munter an Fremdfirmen “outgesourced”.
Die Ergebnisse werden – mangels Kompetenz – nicht wirklich überprüft und auf die Öffentlichkeit losgelassen.
Nicht immer, aber immer öfter, geben sich dann Ministerien der Lächerlichkeit preis.

Massentests und kaum einer kann hin!

Für die verwaltungstechnische Abwicklung der Massentest war die IT-Firma World Direct (eine Tochter der teilstaatlichen A1) zuständig, die auf ihrer web-site (auf einen link muss hier aus Daten- und Konsumentenschutzgründen verzichtet werden) vollmundig schreibt:
“Innerhalb nur weniger Tage haben wir in Kooperation mit dem Land Tirol, dem Roten Kreuz, A1 und ilvi eine Corona-Screening-Plattform für den Einsatz in Tirol realisiert.
Jetzt kann eine höhere Anzahl an Tests schneller, zuverlässiger und sicherer als bisher durchgeführt werden.”

und weiter:
“Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel für unser erfolgreiches Kooperations-Modell für Digitale Innovation.”
(Paul Wessiack, CEO World Direct)

Wenn der Einsatz über einen “Testserver” (Jochen Ohnewas-Schützenauer, World Direct) erfolgt, Datenlecks und Ausfälle zum Zurückgreifen auf (glückhafterweise vorhandene und funktionierende) lokale Programme und den Einsatz von analogen “Papierl-Backups” führt, ist das ein äußerst zweifelhaftes “Paradebeispiel” für einen Erfolg der vom Bund bereitgestellten Software.

P.S.: Der Kommentar eines Standard-Lesers bringt es auf den Punkt

ninjagulbi
3. Dezember 2020, 15:45:33
Für einen einzelnen Entwickler ist es durchaus sportlich so etwas übers Wochenende auf die Beine zu stellen.
Für eine Firma wie World direct sollte das aber machbar sein. Das ist keine rocket science, ja nichtmal was neues, nur ein simples Buchungssystem.
Die “Fehler” sind allerdings nicht einfache Bugs sondern grob fahrlässig.
Keine Duplikatsprüfung wenn schon so eindeutige (und sensible) Daten wie die SV-Nummer abgefragt werden, ungesicherter Mailversand von irgendwelchen Daten an irgendwen, nichtmal SPF (dafür reicht ein simpler DNS-Eintrag),…
Das ist peinlich.
Die Firma sollte für zukünftige Staatsaufträge gesperrt werden, der verantwortliche Beamte zurücktreten.

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