Altersdikriminierung

Das war’s dann auch schon für ein knappes Viertel der Bevölkerung (das sich in den nächsten Jahren laut Statistik auf 2,16 Millionen vergrößern wird).

Das war’s dann auch schon für ein knappes Viertel der Bevölkerung (das sich in den nächsten Jahren laut Statistik auf 2,16 Millionen vergrößern wird).

Alt sein ist nicht immer schön – und das liegt nicht nur an den Herausforderungen, vor die uns der Körper stellt, oder an der Endlichkeit, der wir ins Auge sehen.
Alt sein hat immer noch handfeste, böse Konsequenzen im Alltag: Alte Menschen (und oft noch gar nicht wirklich alte, sondern nur „nicht mehr mitteljunge“) erleben häufig, was es heißt, diskriminiert zu werden. Und da meine ich keineswegs das Übersehenwerden im Kaffeehaus oder die bösen Sprachbilder von der alten Hexe bis zur „Überalterung“ der Gesellschaft (warum fällt dieser Ausdruck eigentlich nicht unter den Verhetzungsparagraphen?).
Gesperrte KarteManches, was in unserem Land alten Menschen zugemutet wird, ist schlicht unglaublich. Da gibt es Bankinstitute, die älter gewordenen Kunden die Kreditkarte sperren – ohne sie auch nur zu verständigen. Die Überraschung, wenn im Geschäft die Karte abgelehnt wird, die Unannehmlichkeiten und das Gefühl des Beschämtseins, das den heimlich geschassten Kunden befällt, sind offensichtlich einkalkuliert.
Oder sie streichen Über-70-Jährigen einseitig den früher vereinbarten Überziehungsrahmen ihres Kontos – und das ebenso klammheimlich und ohne Vorwarnung. Man stelle sich vor, wenn man mit dem Auto unterwegs ist und man kann das notwendige Benzin für die Heimfahrt nicht mehr an der Bankomat-Kassa bezahlen. Dem streichfreudigen Altersdiskriminierer in der Bank ist das offensichtlich nicht einmal in den Sinn gekommen.
Kredite an Über-70-Jährige werden ohnehin meist nicht gewährt – und mögen sie noch so gut besichert sein. Die Geldinstitute wollen halt nicht riskieren, im Todesfall so lange auf ihr Geld warten zu müssen, bis die Verlassenschaft abgewickelt ist.
Private Krankenversicherungen kündigen Kunden, die jahrzehntelang hohe Prämien bezahlt haben, ohne Leistungen in Anspruch zu nehmen. Alt geworden, könnten sie vielleicht ihre teuer bezahlte Vorsorge in Anspruch nehmen. Naja, das „Langlebigkeitsrisiko“ (auch so ein tolles Wort!) wollen die Versicherer halt nicht tragen… Ist wohl kein gutes Geschäft.
Ehre, wem Ehre gebührt: Die Seniorenpolitikerin Ingrid Korosec hat mehrere hundert (!!!) einschlägige Fälle zusammengetragen und will sich jetzt bei der Justizministerin für eine gesetzliche Handhabe gegen solche haarsträubenden Verstöße gegen die Gleichheit einsetzen. Mit welchem Erfolg, werden wir sehen.
Fest steht nur: Altersdiskriminierung darf nicht die einzig gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierung bleiben. Der trivial-wahre Satz „Hurra: Wir leben immer länger und bleiben immer länger gesund“ fehlt in keiner Politiker-Sonntagsrede. Nur dass daraus folgt, dass die bald 2 Millionen Menschen über 60 ihr Leben in vollem Umfang und als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft weiterleben können und wollen, dafür fehlt noch das Verständnis. Und vor allem: das Hurra.

 Medienspiegel:

ALT: Zwischen WEISS und WEISE DI Dr. Klaus Woltron 2020-05-10 KroneArtikel
Wie schon bei der Klimadiskussion läuft auch in derCorona-Krise alles auf die Debatte Alt gegen Jung hinaus. Sind wir alte Knacker,die besser zu Hause bleiben sollen?

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